Alkoholkrankheit: Wer ist süchtig?


Alkoholsucht: Zahlen und Fakten

Über eine Millionen Menschen in Deutschland sind alkoholabhängig. Genaue Zahlen gibt es nicht. Die meisten Statistiken schwanken zwischen 1,5 und 2 Millionen Süchtigen und mindestens genauso vielen Suchtgefährdeten. Die Alkoholsucht ist damit die am meisten verbreitete Sucht in Deutschland. Schätzungen zufolge sterben jährlich etwa 70.000 Menschen in Deutschland an den Folgen von Alkoholmissbrauch.


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Wer ist alkoholkrank?

Die ICD-10, ein anerkanntes System der WHO, definiert sechs Kriterien oder auch Symptome einer Alkoholabhängigkeit. Von diesen müssen mindestens drei über einen Zeitraum von einem Monat oder wiederholt über ein Jahr gleichzeitig vorhanden sein, damit eine Abhängigkeit festgestellt werden kann:

  • Starkes oder zwanghaftes Verlangen nach Alkohol.
  • Eingeschränkte Kontrollfähigkeit was Menge, Beginn und Ende des Konsums betrifft.
  • Entzugserscheinungen bei Konsumreduktion oder -stopp.
  • Toleranzentwicklung, wodurch zunehmen größere Mengen konsumiert werden.
  • Einengung des Denkvermögens auf Alkohol.
  • Anhaltender Konsum trotz gesundheitlicher und sozialer Folgeschäden, über die sich der Betroffene bewusst ist oder bewusst sein könnte.

Alkoholsucht: Diese Arten gibt es!

Der US-amerikanische Physiologe Elvin Morton Jellinek hat 1960 eine Typologie vorgestellt, die noch bis heute verwendet werden kann. Grundsätzlich wird dabei zwischen fünf Alkoholiker-Typen unterschieden. Die Grenzen zwischen den verschiedenen Typen sind fließend.

Alpha-Trinker

Alpha-Trinker werden auch als Problem-Trinker bezeichnet. Sie trinken, um psychische Belastungen leichter zu ertragen. Die Abhängigkeit ist somit rein psychischer Natur. Ein Konflikt-Trinker kann seinen Konsum in der Regel noch kontrollieren. Er gilt nicht unbedingt als krank, aber in jedem Fall als gefährdet. Ein Übergang zum Gamma-Alkoholiker ist keine Seltenheit.

Beta-Trinker

Beta-Trinker sind Gelegenheitstrinker. Ihr Konsumverhalten wird oft durch die Gesellschaft und ihr Umfeld bestimmt, wodurch das Trinken zur Gewohnheit werden kann. Gesundheitliche Folgeschäden sind darüber hinaus nicht selten. Es liegt jedoch weder eine psychische noch eine körperliche Abhängigkeit vor. Beta-Trinker bzw. Gelegenheitstrinker sind jedoch genauso gefährdet wie Alpha-Trinker. Häufig entwickelt sich ein Übergang zum Delta-Alkoholiker.

Gamma-Alkoholiker

Gamma-Alkoholiker können ihren Alkohol-Konsum nicht mehr kontrollieren und gelten entsprechend als suchtkrank. Das Trinkverhalten ist unregelmäßig, es kann zwischendurch zu einer längeren Abstinenz kommen. Ein Gamma-Alkoholiker entwickelt schnell eine erhöhte Toleranz gegenüber Alkohol. Die psychische Sucht ist meist stärker ausgeprägt als die physische Sucht.

Delta-Alkoholiker

Delta-Alkoholiker werden auch als Spiegeltrinker bezeichnet. Sie brauchen einen gewissen Pegel, um sich wohl zu fühlen. Kommt es zu einem Entzug, treten in der Regel relativ schnell Entzugserscheinungen auf. Ein Spiegeltrinker hat zumeist eine erhöhte Toleranz gegenüber Alkohol. Schwere gesundheitliche Folgen sind kaum vermeidbar. Die körperliche Abhängigkeit ist stärker ausgeprägt als die psychische Abhängigkeit.

Epsilon-Alkoholiker

Epsilon-Alkoholiker sind Quartalstrinker. Auf lange Abstinenzphasen folgen kurze Phasen mit exzessivem Konsum. Ein Kontrollverlust ist während dieser Phasen vorhanden. Es handelt sich vorrangig um eine psychische Abhängigkeit.


Was tun bei Alkoholsucht?

Der erste Schritt ist der schwerste Schritt, aber auch der wichtigste Schritt! Viele Menschen tun sich leider schwer damit, ihr Alkoholproblem einzugestehen. Einen guten Grund gibt es dafür aber nicht. Denn ohne diesen ersten Schritt ist eine Hilfe so gut wie nicht möglich. Eine Abhängigkeit ist kein Verbrechen oder eine Schande. Schlimm ist es nur dann, wenn nichts dagegen unternommen wird und sich ein Abhängiger seinem Schicksal ergibt. Wer diesen ersten Schritt jedoch geschafft hat und sich seine Sucht eingesteht, hat den schwersten Teil bereits hinter sich. Es gilt dann aber auch, etwas gegen seine Alkoholabhängigkeit zu unternehmen. Dies kann auf eigene Faust oder mit externer Hilfe wie Selbsthilfegruppen oder der lokalen Suchtberatung geschehen. Ebenso kann der Arzt des Vertrauens behilflich sein. Und auch das Internet ist voll mit Tipps und hilft bei der Suche nach lokalen Angeboten!